Verschmutzte Spielplätze – Einzelfall oder Dauerzustand?

Wo viele Menschen zusammenleben, entsteht auch viel Müll. Großstädte wie Offenbach werden deshalb nie so sauber sein, wie kleinere Gemeinden im Umland. Wer sich für ein Leben in der Stadt entscheidet, hat diese Tatsache zumindest ein Stückweit akzeptiert. Aber bedeutet das auch, dass unsere Kinder zwischen Müll und Hundekot spielen müssen?

Ich bin der Meinung, dass die Stadtverwaltung stärker als bisher gegen Verschmutzungen auf Spielplätzen vorgehen sollte. Ich melde regelmäßig Verschmutzungen und Beschädigungen online per Mängelmelder und telefonisch an den ESO. Aber das Ergebnis kann mich noch nicht überzeugen. Der Mängelmelder mag im Ansatz eine gute Idee sein, letztendlich überwiegen aber noch seine Schwächen. Bei meinen letzten Meldungen verging ein ganzer Monat, ehe das gemeldete Problem behoben wurde. Für Kinder, die jeden Tag draußen spielen möchten, ist das viel zu lang!

Das Ganze wäre deutlich harmloser, würde es sich dabei um isolierte Einzelfälle handeln. Dann könnten Eltern und Kinder einfach auf andere Spielplätze ausweichen. Aber nach allem, was ich bisher über das Thema herausgefunden habe, sind verschmutzte Spielplätze leider ein Dauerzustand.

Glasscherben im Sandkasten, Zigarettenkippen, Verpackungsmüll, Hundekot, Kronkorken, benutzte Spritzen, ausgebrannte Einweggrills, alte Zeitungen, Feuerzeuge … Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Und dazu kommen Schmierereien an den Spielgeräten, eingeritzte Zeichen, Aufkleber, und und und.

In den vergangenen drei Wochen habe ich 20 Spielplätze im Offenbacher Stadtgebiet besucht. Von diesen 20 Spielplätzen in Offenbach (darunter Bürgel, Innenstadt, Lauterborn und Westend) befanden sich 19 in dem von mir beschriebenen, ungepflegten Zustand. Auf einigen Spielplätzen sind Spielgeräte beschädigt. Lediglich der Spielplatz beim Caritas-Haus war in Ordnung. Insofern handelt es sich – leider – nicht um ein Einzelproblem!

Eine bekannte Ursache ist die Nutzung der Spielplätze durch Jugendliche am Abend. Es bleiben Müll, Essensreste und Zigarettenkippen zurück und teilweise sogar Sachbeschädigungen. Aber auch Eltern und Kinder, also die eigentlichen Nutzer der Spielplätze, verhalten sich nicht immer vorbildlich, sondern lassen manchmal Abfall zurück. Und dann gibt es natürlich noch Menschen, die jeden Sandkasten für einen Aschenbecher oder ein Hundeklo halten.

Zur Lösung des Problems sollte die Stadt die Reinigungsfrequenz auf den Spielplätzen erhöhen. Auf den meisten Spielplätzen wäre es sinnvoll, täglich zu reinigen. Das kostet natürlich erstmal Geld, würde sich aber lohnen. Denn die Hemmschwelle, einen sauberen Ort zu verschmutzen ist wesentlich höher, als wenn dort bereits anderer Müll herumliegt. Die klassische Broken Window Theorie, also wehret den Anfängen.

Außerdem sind wahrscheinlich Kontrollen durch das Ordnungsamt und die Anpassung der Bußgelder nötig. Anders lassen sich manche Zeitgenossen leider nicht mehr erreichen. Und die Stadt müsste sich eine Regelung der Nutzung der Spielplätze durch Jugendliche überlegen bzw. Ersatz-Treffpunkte schaffen.

Schließlich wäre noch der Mängelmelder zu überarbeiten. In der jetzigen Form ist er intransparent. Man kann nicht erkennen, wer für das Anliegen verantwortlich ist und wer es bearbeitet. Die Bearbeitungsdauer ist noch viel zu lang, und zwar ohne dass sich nachvollziehen ließe, warum es zu dieser Verzögerung kommt.

Deshalb sollte der Mängelmelder überprüft und die Nutzung ausgewertet werden (wie viele Mängelmeldungen, sortiert nach Anliegen und Zuständigkeit, wie viele erledigte Mängel, Bearbeitungsdauer im Durchschnitt).
Ich habe meine Beobachtungen Herrn Bürgermeister Peter Schneider als zuständigen Dezernenten mitgeteilt und ihm auch konkrete Lösungen vorgeschlagen. Ich bin zuversichtlich, dass er sich des Themas annehmen wird.

Denn nach vielen Gesprächen mit Offenbacher Familien sehe ich die Situation auf den Spielplätzen kritisch. Viele Eltern sind sehr unzufrieden mit der Sauberkeit auf den Offenbacher Spielplätzen. Aber es herrscht bereits eine gewisse Resignation. Die Eltern beschweren sich nicht (mehr), da sie davon ausgehen, dass ihre Beschwerde ohnehin nichts ändert.

Wenn die Stadt erfahren möchte, wie zufrieden die Familien in Offenbach mit der Sauberkeit bzw. dem Zustand der Spielplätze im Stadtgebiet sind, dann müssten Sie die Nutzer der Spielplätze befragen. Alternativ könnte die Stadt bzw. der Stadtdienstleister die Spielplätze selbst anschauen und sich ein Bild machen. Hier könnten mit überschaubarem Aufwand viele neue Erkenntnisse gewonnen werden.

Natürlich ist mir bewusst, dass es in Offenbach noch eine ganze Reihe anderer Probleme und Aufgaben gibt, um die sich die Verantwortlichen kümmern müssen. Dennoch sehe ich bei der Verschmutzung der Spielplätze dringenden Handlungsbedarf.

Denn Kinder, die sich daran gewöhnen, zwischen Schmutz und Abfall zu spielen, werden als Jugendliche und Erwachsene ebenfalls ein gewisses Maß an Verschmutzung als völlig normal erachten. Es sollte in unser aller Interesse sein, dies zu verhindern. Der Umgang mit Müll einerseits und mit Gemeingut andererseits sollte schon im Kindergarten besprochen werden. Dabei können die Appelle (Müll nicht auf die Straße werfen, etc.) natürlich nicht die volle Wirkung entfalten, wenn die Wirklichkeit drastisch anders aussieht.

Welche Erfahrungen haben Sie mit der Sauberkeit der Spielplätze gemacht? Haben Sie den Mängelmelder schon ausprobiert? Und haben Sie eigene Ideen, wie das Problem in den Griff zu kriegen ist?

Schreiben Sie uns Ihre Meinung! Oder noch besser: Schreiben Sie an den zuständigen Dezernenten: Peter.Schneider@offenbach.de. Nehmen Sie die Verschmutzungen auf den Spielplätzen nicht einfach hin, sondern melden Sie diese! Die Kontaktdaten des Stadtdienstleisters ESO finden Sie hier.

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