Interview mit Astrid Zettler und Elvine Eggebrecht, pädagogische Fachkräfte der Tagesmütterzentrale in Neu-Isenburg

Tagesmütterzentrale Neu-IsenburgMelanie Reichardt: Frau Zettler, Frau Eggebrecht, die Tagesmütterzentrale wurde 1991 vom „Verein zur Förderung von Kinderbetreuung e.V. in Neu-Isenburg“ eröffnet. Was war und ist die Idee der Tagesmütterzentrale?

Astrid Zettler: Die Idee der Tagesmütterzentrale war und ist, junge Familien dabei zu unterstützen, Berufstätigkeit der Eltern zu fördern und eine individuelle Lösung bei der Umsetzung der Kinderbetreuung zu finden. Die Gründerin, Frau Marlis Otto, hatte diesen Bedarf schon 1991 erkannt und zunächst mit einer Babysittervermittlung begonnen. Aber auch die Nachfrage nach ganztätiger Betreuung war so stark, dass sie dann die Vermittlung der Tagesmütter mit dazu genommen hat.

Welche Leistungen bietet die Tagesmütterzentrale im Einzelnen an?

Elvine Eggebrecht: Zum einen vermitteln wir Babysitter, Tagesmütter und Kinderfrauen. Wir bieten eine persönliche und individuelle Beratung von Eltern und Betreuungspersonen an. Außerdem beraten wir in pädagogischen, organisatorischen und rechtlichen Fragen.  Wir bieten zudem Fortbildungen an, die wir entweder selber halten oder Referenten dafür suchen. Ein Beispiel dafür sind unsere Babysitterkurse oder Erste-Hilfe-Kurse. Auch Supervision gehört zu unseren Fortbildungsangeboten.

Außerdem organisieren wir eine Notfallbetreuung, wenn Eltern erkranken oder ins Krankenhaus müssen. Wir haben in der Zentrale einen Notfallplatz für diese Kinder. Zusätzlich verfügen wir über eine mobile Notfalltagesmutter, die im Haushalt der jeweiligen Eltern betreuen kann.  Neben dieser Notfallbetreuung übernehmen wir auch Vertretungen. Wenn eine Tagesmutter erkrankt, können sich Eltern an uns wenden und wir schauen, ob ein Platz in der Notfallbetreuung frei ist. Darüber hinaus bieten wir für Tagesmütter eine Versicherung an.

Was ist das für eine Versicherung?

Astrid Zettler: Das ist eine Zusatz-Haftpflicht-Versicherung, die eine Tagesmutter braucht, wenn sie fremde Kinder bei sich betreut. Die Haftpflicht der Eltern deckt das nicht ab, denn die Aufsichtspflicht über das Kind hat tagsüber  ja dann die Tagesmutter. Das ist ähnlich wie bei einer Betriebs-Haftpflichtversicherung.

Für wen erbringen Sie Leistungen? Nur für Familien in Neu-Isenburg?

Astrid Zettler: Hauptsächlich für Familien in Neu-Isenburg und Dreieich, weil uns diese Kommunen auch finanziell unterstützen. Darüber hinaus vermitteln wir aber auch Babysitter in Offenbach und Dietzenbach. Und auch für die Notfallbetreuung können Eltern aus Offenbach und Dietzenbach bei uns anfragen. Die Notfallbetreuung kostet 10 € pro Stunde.

Eltern aus Offenbach können also bei Ihnen einen Babysitter für ihr Kind finden. Wie läuft das ab?

Elvine Eggebrecht: In der Regel rufen die Eltern bei uns an und wir vereinbaren einen Beratungstermin mit ihnen. Bei diesem Termin erfragen wir die genauen Vorstellungen der Eltern, welche Bereiche der Babysitter oder die Kinderfrau abdecken soll, für welche Zeiten eine Betreuung gewünscht wird, ab wann ein Babysitter gesucht wird und wie oft, einmal im Monat oder einmal pro Woche. Wir haben eine Checkliste, die wir mit den Eltern durchgehen, damit sich diese klar werden können, was sie von dem jeweiligen Babysitter erwarten.

Danach schicken wir per E-Mail eine anonymisierte Betreuungsanfrage raus, an alle geeigneten  Babysitter oder Kinderfrauen, die bei uns gemeldet sind. Diese melden sich dann bei uns, wenn sie die Betreuung bei der Familie übernehmen können. Wir geben die Telefonnummer der Babysitter an die Familie weiter und die Familie vereinbart dann einen Termin zum Kennenlernen mit einem oder auch mehreren Babysittern. Hier wird dann zwischen der Familie und dem Babysitter besprochen, ob die pädagogischen Vorstellungen und die Betreuungszeiten passen.

Was ist der Unterschied zwischen Kinderfrau und Babysitter?

Elvine Eggebrecht: Der Babysitter kommt regelmäßig oder sporadisch für einige wenigen Stunden in die Familien und betreut die Kinder. Die Kinderfrauen kommen auch in die Familie, aber meist für deutlich mehr Stunden. Eine Kinderfrau kann auch Halbtags oder Vollzeit angestellt werden. Mit den Kinderfrauen wird oft auch ein richtiger Vertrag abgeschlossen, die Beauftragung eines Babysitters erfolgt in der Regel mündlich.

Was ist der Unterschied zur Tagesmutter?

Elvine Eggebrecht: Die Tagesmutter ist selbständig tätig und betreut die Kinder bei sich zuhause. Die Eltern sind nicht weisungsbefugt. Die Kinderfrau ist eine Angestellte der Eltern. Sie geht in die Familie und die Eltern sind auch weisungsbefugt. Die Tagesmütter haben eine Ausbildung, zum Teil auch ein Bundeszertifikat. Sie können ein Pädagogisches Konzept vorweisen und nehmen regelmäßig an Fortbildungen teil. Die Kinderfrauen haben in der Regel keine pädagogische Ausbildung. Wir empfehlen ihnen jedoch immer Erste-Hilfe- oder Babysitter-Kurse und auch Fortbildungen.

Auf der Website der Tagesmütterzentrale gibt es eine Checkliste für Eltern. Worum geht es bei dieser Checkliste?

Astrid Zettler: Diese Checkliste ist in erster Linie für Eltern gedacht, die eine Tagesmutter suchen. Man kann es eventuell erweitern auf eine Kinderfrau. Denn so eine Person, die tatsächlich den ganzen Tag bei der Familie verbringt, die muss natürlich deutlich mehr Informationen haben, als eine Babysitterin, die nur mal zwei oder drei Stunden in der Woche da ist. Bei diesen Themen auf der Checkliste geht es darum, dass die Eltern für sich entdecken, wo sind denn meine Prioritäten, also welche Themen sind denn für mich besonders wichtig und wo möchte ich mal von meinem Gegenüber hören, wie gehst Du denn damit um.

Es ist auch so, je mehr miteinander besprochen wird und je mehr man auch auf einer Linie ist, desto besser ist es natürlich für das Kind. Kinder spüren wenn es eine Übereinstimmung zwischen Eltern und der Betreuungsperson gibt. Es gibt auch noch eine spezielle Checkliste für Babysitter, die wir nicht auf der Website haben. Diese erhalten die Eltern von uns, wenn sie in der Zentrale ein persönliches Gespräch wahrnehmen und nach einem Babysitter suchen.

Wie erkennen Eltern, ob ihr Kind bereit ist, von einem Babysitter betreut zu werden?

Astrid Zettler: Die Eltern sollten sich zunächst einmal klar sein, ob sie selbst bereit sind, ihr Kind einem Babysitter anzuvertrauen. Damit fängt es nämlich an. Wenn die Eltern in ihrer Entscheidung klar sind, so wird sich das Kind auch einer fremden Person annähern. Das braucht aber eine gewisse Zeit. Manche Eltern denken, wir brauchen Ende der Woche eine Babysitterin, da rufen wir mal bei der Tagesmütterzentrale an. Das ist vielleicht im äußersten Notfall mal möglich. Aber ansonsten empfehlen wir den Eltern auch bei einem Babysitter, längerfristig zu planen.

Das Kind sollte den Babysitter in jedem Fall vorher kennenlernen. Auch wenn es nur schlafend betreut werden soll, ist es trotzdem wichtig, dass das Kind weiß, wer auf es aufpasst. Nicht, dass das Kind nachts aufwacht und da sitzt ein wildfremder Mensch. Wir empfehlen, dass nach Möglichkeit schon ein paar Wochen vorher der ein oder andere Kontakt stattfindet. Kennenlernen kann man sich auch, wenn man mal zusammen spazieren oder auf den Spielplatz geht.

Neben der Beantwortung der Fragen in der Checkliste für Eltern und dem was Sie gerade schon gesagt haben – wie können Eltern sich und ihr Kind auf die Betreuung durch einen Babysitter vorbereiten?

Elvine Eggebrecht: Die Eltern bekommen die Möglichkeit mehrere Babysitter kennenzulernen. Sie entscheiden, bei wem die Chemie zwischen Kind und Babysitter oder Eltern und Babysitter am besten passt. Hierbei sollten die Eltern auf ihr Bauchgefühl achten.

Was ist für die Zusammenarbeit mit dem Babysitter noch wichtig?

Elvine Eggebrecht: Für eine gute Zusammenarbeit ist eine klare Kommunikation sehr wichtig. Absprachen sollten eingehalten werden. Der Babysitter sollte wissen, wann die Eltern nach Hause kommen. Wenn die Eltern nur sagen, wir kommen spät zurück, ist das zu ungenau. Verlässlichkeit und Vertrauen spielt auch eine sehr große Rolle.

Was kostet die Vermittlung eines Babysitters und was kostet der Babysitter selbst?

Astrid Zettler: Die Vermittlung eines Babysitters in Offenbach ist ein bisschen teurer als die Vermittlung eines Babysitters für Neu-Isenburg und Dreieich. Offenbacher Eltern bezahlen eine Gebühr von 60 € für die Vermittlung eines Babysitters. Diese Gebühr gilt für ein ganzes Jahr. Das bedeutet, wir fühlen uns für ein Jahr zuständig. Sollte ein Babysitter ausfallen oder aus irgendwelchen Gründen nicht mehr zur Verfügung stehen, dann können sich die Eltern innerhalb dieses Jahres wieder an uns wenden und müssen keine erneute Gebühr bezahlen.

Der Babysitter selbst bekommt von den Eltern in der Regel 8-10 € pro Stunde. Das ist aber auch davon abhängig, ob nur ein Kind oder mehrere Kinder betreut werden. Wenn mehrere Kinder betreut werden, dann sollten die Eltern mit 10-12 € rechnen. Es geht aber auch um die Verantwortlichkeit des Babysitters. Wenn der Babysitter nur die schlafenden Kinder beaufsichtigt, dann können die Eltern mit dem Babysitter geringere Stundensätze vereinbaren. Wenn aber zum Beispiel eine Babysitterin das Kind vom Kindergarten abholt, mit ihm nach Hause geht, dort noch ein Abendessen zubereitet oder mit dem Kind spielt, dann muss man als Eltern schon ein bisschen mehr investieren.

Die Preise der Babysitter werden zwischen Eltern und Babysitter vereinbart?

Astrid Zettler: Ja, richtig.

Wer kann sich durch die Tagesmütterzentrale als Babysitter vermitteln lassen?

Astrid Zettler: Wir nehmen Schülerinnen und Schüler ab 16 Jahren, Studentinnen und Studenten, aber auch Erwachsene, die im Beruf sind, oder Omis, die sagen, meine Familien sind so weit weg; ich hätte Lust, auch mal ein fremdes Kind zu betreuen.

Sie bieten auch Babysitterkurse an. Was lernen die Teilnehmer in diesen Kursen?

Elvine Eggebrecht: Der Babysitterkurs wird vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) in Offenbach angeboten und findet zweimal im Jahr in unseren Räumen hier in der Tagesmütterzentrale statt. Der Kurs ist sehr ausführlich und umfasst 11,5 Stunden. Gestartet wird Freitagabend mit einer Kennenlernen-Runde und der Vorstellung des Kursprogrammes. Die Teilnehmer lernen, wie man Kontakt zu Säuglingen aufbaut, alles über Säuglingspflege und Grundlagen der Ersten Hilfe.

Der Kurs wird Samstag mit  einem theoretischen und einen praktischen Teil fortgeführt. Der theoretische Teil beantwortet Fragen über die körperlich-motorische Entwicklung, sozial-emotionale Entwicklung und die geistig-sprachliche Entwicklung. Ebenfalls setzen sich die Teilnehmer  mit der Aufsichtspflicht, der Unfallverhütung und der Versicherung auseinander. Entwicklungsfragen, welche Spiele kann ich mit den Kindern machen, wie baue ich eine Beziehung und Bindung auf.

Diese Themen werden für Säuglinge, Kleinkinder, Kindergartenkinder und Schulkinder besprochen. Die Teilnehmer erfahren auch etwas über gesunde Ernährung und das Essverhalten. Im praktischen Teil kochen die Teilnehmerinnen selber Brei und Säuglingsnahrung.  Sie haben die Möglichkeit  das Wickeln an Puppen zu üben.

Anhand von Checklisten werden die Wünsche und Erwartungen der Eltern besprochen, auch die Fragen, auf welche Wünsche und Erwartungen kann ich eingehen und auf welche nicht. Wie kann ein  Erstgespräch mit den Eltern verlaufen.

Der Kurs endet mit einer  Reflexion und der Übergabe eines internationalen Zeugnisses, mit dem die Babysitter sich dann zum Beispiel auch als Au-Pair bewerben können.

Was kostet denn die Teilnahme an so einem Babysitterkurs?

Elvine Eggebrecht: Wenn sich die Teilnehmer über uns anmelden kostet sie der Kurs 20 €. Wir bezuschussen allerdings den Babysitterkurs, damit sich möglichst viele Teilnehmer den Kurs leisten können.

Bezuschussen Sie auch Teilnehmer aus Offenbach, die an einem Babysitterkurs bei Ihnen teilnehmen?

Astrid Zettler: Ja, das machen wir, wenn die Mädels und Jungs uns dann auch zur Vermittlung als Babysitter zur Verfügung stehen. Also so, dass beide Seiten davon profitieren.

An wen richten sich die Babysitterkurse?

Astrid Zettler: Die Kurse richten sich grundsätzlich an Jung und Alt. Beim Alter schreiben wir in unseren Zeitungsartikeln  immer zwischen 16 und 70 Jahren. Es gibt auch noch fitte Omis, die wunderbar die Betreuung von Kindern übernehmen können.

Welche Leistungen im Detail erbringt die Tagesmütterzentrale im Zusammenhang mit der Vermittlung von Babysittern und welche Leistungen explizit nicht?

Astrid Zettler: Ich fange mal mit den Leistungen an, die wir erbringen. Das ist zunächst das persönliche Kennenlernen in der Zentrale. Die Eltern bekommen bei uns keine Liste von Personen, die wir sammeln, sondern wir kennen immer alle persönlich, die wir vermitteln, egal ob Babysitter oder Kinderfrau. Uns wird so die Möglichkeit gegeben, eine Vorauswahl zu treffen und einen Babysitter vorzuschlagen, von dem wir denken, dass er gut zur Familie passen könnte. Wir bieten auch die Leistung, einen Ersatz zu vermitteln, wenn ein Babysitter ausfällt, aus welchen Gründen auch immer.

Elvine Eggebrecht: Was wir nicht machen, wir vermitteln keine reinen Haushaltshilfen. Es kommen aber immer mehr Anfragen in Richtung Kombi, also ob die Kinderfrau auch Tätigkeiten im Haushalt übernehmen kann. Das ist nach Absprache mit der Kinderfrau schon möglich, aber reine Haushaltshilfen vermitteln wir nicht. Babysitter sind in der Regel nicht für den Haushalt zuständig.

Astrid Zettler: Sie übernehmen es vielleicht mal, ein Abendessen zuzubereiten oder vielleicht auch mal die Spülmaschine auszuräumen. Aber das ist dann eine ganz individuelle Absprache zwischen den Eltern und dem Babysitter. Da kann sich der Babysitter dann überlegen, wozu er oder sie bereit ist.

Elvine Eggebrecht: Das ist zum Beispiel auch so beim Thema Haustiere. Manche Eltern fragen den Babysitter, ob er mit Kind und Hund auch mal Gassi gehen kann.

Und was wir ebenfalls nicht übernehmen, ist die Verantwortung für den Babysitter. Wir besprechen zwar mit den Eltern, dass wir die Babysitter zu uns einladen, um sie kennenzulernen und die Babysitterkurse empfehlen, aber wir können natürlich nicht die Verantwortung dafür übernehmen, was der Babysitter dann letztendlich tut. Wir übernehmen keine Haftung. Da sind die Eltern gefragt, schon auch noch mal genau hinzuschauen.

Was macht aus Ihrer Perspektive und Ihren Erfahrungen einen guten Babysitter aus?

Astrid Zettler: Für mich ist es wichtig, dass diese Personen schon eine Ersterfahrung mitbringen und dabei entdeckt haben, dass es ihnen Spaß macht, Kinder zu betreuen. So eine Erfahrung ist aber nicht Voraussetzung, Babysitter zu werden. Wichtig ist, dass sie eine gute Selbsteinschätzung haben, so dass sie nicht sagen, alles kein Problem, aber bei der ersten Schwierigkeit die auftritt, dann gar nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen.

Es ist wichtig, dass diese Personen ein gutes Selbstbewusstsein und auch Selbstvertrauen haben. Sie sollten auch ein freundliches Gesicht haben und ein ansprechendes Auftreten. Das spielt eine große Rolle. Und dass sie offen sind und natürlich eine positive Einstellung zu Kindern haben. Und das es ihnen nicht nur um die Aufbesserung des Taschengeldes geht.

Elvine Eggebrecht: Für die Eltern ist sehr wichtig, dass der Babysitter zuverlässig ist. Wenn eine wöchentliche Betreuung vereinbart wird, sollte nicht jedes Mal ein neuer Grund vorgebracht werden, warum der Babysitter verhindert ist. Die Eltern möchten das Gefühl haben, dass sie sich darauf verlassen können, dass der Babysitter kommt. Der Babysitter sollte Spaß mit den Kindern haben, einfühlsam sein und über die nötigen Grundkenntnisse verfügen. Also zum Beispiel einen Erste-Hilfe-Kurs oder Babysitterkurs besucht haben.

Frau Zettler, Frau Eggebrecht, vielen Dank für das Interview!

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