In Offenbach fehlen Kinderärzte

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte macht aktuell auf eine zunehmend ausgedünnte medizinische Versorgung für Kinder und Jugendliche aufmerksam. In Offenbach sind die Kinderarztpraxen bereits seit Längerem an ihre Kapazitätsgrenzen gestoßen. Regelmäßig müssen Eltern mit ihren Kindern, die einen Kinderarzt suchen, abgewiesen werden.

In Offenbach gibt es 10 niedergelassene Kinderärzte in 7 Kinderarztpraxen. Die Praxen in Offenbach sind überlastet und können keine neuen Patienten aufnehmen. Die Wartezeit beträgt bei nicht-akuten Anfragen zum Teil 2 Monate. Offenbach ist unterversorgt im Hinblick auf Kinderärzte. Und die Offenbacher Kinderärzte versorgen bereits eine Patientenzahl die deutlich über dem Fachgruppendurchschnitt liegt.

Von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen fühlen sich die Offenbacher Kinderärzte nicht ernst genommen, da diese die Versorgung für ausreichend hält. Dr. Matthias Gründler, Sprecher der niedergelassenen Kinderärzte in Offenbach, kritisiert diese Verharmlosung. Sein Kollege Dr. Lutz Müller, der auch Vorsitzender des Landesverbands Hessen im Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) ist, erwähnt eine KV-Konferenz zu dem Thema. Die Kassenärztliche Vereinigung stellt derzeit Daten zusammen und will zeitnah Stellung nehmen.

Große Probleme bereitet den Kinderärzten in Offenbach auch die sogenannte Budgetierung. Das ist eine von der Gesundheitspolitik installierte Maßnahme zur Kostendämpfung. Sie bedeutet für jeden Arzt praktisch eine Beschränkung der Zahl der Patienten, da bei Erreichen einer bestimmten Patientenzahl die Vergütung gedeckelt wird. Bei zuviel abgerechneten Fällen stellt die KV zudem Regressforderungen an die Kinderärzte, was eine permanente wirtschaftliche Bedrohung bedeutet, erklärt Lutz Müller.

Die Offenbacher Kinderärzte berichten, dass sie zwischen 3 und 20 Familien pro Woche abweisen müssen, die bei ihnen Termine anfragen. Kinderärztin Dr. Dimitri Hamm Le Clément Kasfiki erklärt die Vorgehensweise bei der Aufnahme neuer Patienten. Automatische aufgenommen werden Geschwisterkinder, danach andere Neugeborene. Erst dann folgen Zugezogene. Wenn diese aber aus der Nähe zuziehen und dort einen Kinderarzt haben, werden sie gebeten, bei diesem zu bleiben.

Patienten mit chronischen Leiden oder Akutfälle werden als dringlicher eingestuft als gesunde Kinder. So ergibt sich eine Staffelung bei der Neuaufnahme und eine Wartezeit von manchmal 2 Monaten. Betroffenen Eltern rät sie, den nächstgelegenen Kinderarzt aufzusuchen und freundlich und beharrend zu bleiben. Und viel Geduld mitzubringen. In den meisten Kinderarztpraxen gibt es zudem sogenannte Nottermine.

Quelle: Offenbach Post vom 7.10.2017

Kommentieren