Antworten von Helge Herget

1. Welches Problem sehen Sie bei der Kinderbetreuung in Offenbach und wie würden Sie es lösen?

Es gibt zu wenig Betreuungsplätze, und die Öffnungszeiten sind oft zu unflexibel, sowohl für Eltern als auch für Schüler. Was ist, wenn ein Schulkind mit einem Ganztagsplatz mal früher gehen möchte, weil die Oma zu Besuch kommt, um es zu betreuen? Was ist, wenn ein Kind ohne Ganztagsplatz mal doch ganztags betreut werden muss, z.B. weil die Eltern krank sind? Die Sportvereine, die Musikschule und andere Vereine für Kinderaktivitäten sehen ein Problem darin, dass Kinder nur noch wenige späte Nachmittagsstunden zur Verfügung haben, und dass sich dann die Termine knubbeln, während vorher die Musiklehrer, Sporttrainer und Veranstalter Däumchen drehen. Zwar gehen diese Vereine auch in die Schulen, um dort Nachmittags-AGs anzubieten, dann haben sie jedoch nicht mehr die Kinder, die diese Aktivität leidenschaftlich lieben, sondern die, die nun mal zufälltig an dieser Schule sind, irgendwie betreut werden müssen, und vielleicht gar keine so große Lust auf Judo/Fußball/Singen/Theater haben. Manche Berufstätigkeit findet auch zu ungewöhnlichen oder wechselnden Zeiten statt und die Eltern brauchen dann Flexibilität in der Kinderbetreuung.

Ich fände es deshalb besser, wenn es viel flexiblere Regelungen gäbe, bei denen man Termine auch sehr kurzfristig planen kann, damit ein Kind z.B. auch einen frühen Termin zum Musikunterricht wahrnehmen könnte.

Ich würde mich außerdem darum bemühen, das Modell „Tagesmutter“ auszubauen und weiter zu fördern.

Es ist auch ungerecht, dass Kindergärten Geld kosten, obwohl wir alle davon profitieren, dass unser Nachwuchs in die Kindergärten geht, dort Deutsch und Sozialverhalten lernt und betreut wird, während ein Hochschulstudium kostenlos und steuerfinanziert ist, obwohl davon nur wenige profitieren.

Ich weiß, dass ein OB das nicht alleine ändern kann, aber mir wären Maßnahmen, die soziale Härten abfedern, sehr wichig. Die Piratenpartei setzt sich für ein Kindergrundeinkommen ein, damit mehr Gerechtigkeit entsteht.

2. Was muss für die Schulen in Offenbach getan werden und wie wird Ihr Engagement dabei aussehen?

Wir haben zu wenig Lehrer, daher fällt zu viel Unterricht aus. Ich würde mich als OB dafür stark machen, noch mehr Lehrerzuweisungen zu bekommen. Bei vielen Schulanfängern gibt es auch noch Defizite in der deutschen Sprache. Daher würde ich die Förderung von Kindern mit Sprachdefiziten noch weiter ausbauen, nicht nur in Schulen, sondern auch in Kindergärten.

Ich bin gegen die fortdauernde und unsägliche Befristung der Verträge von angestellten Lehrern, nach dem Vorbild der Privatwirtschaft. Dies verunsichert Lehrer, Schüler und Eltern, ist unsozial und ungerecht. Die Parteien wettern gegen diese Praxis, aber – kaum wenn sie in der Regierung sind – tragen sie sie mit. Als OB kann ich dies zwar nicht im Alleingang ändern, aber ich würde meinen Einfluss geltend machen, diese Praxis zu beenden.

Und die Schulen haben zu viele bauliche Mängel, ich würde mich dafür einsetzen, hier die Prioritäten noch weiter zu erhöhen.

Auch die Nachmittagsangebote und den Ausbau der flexiblen Kooperation mit Vereinen und Musik-, Kunst-, Theater- oder Tanzschulen und der Schulen untereinander würde ich fördern..

Schließlich klagen viele Schüler und Eltern über die Qualität der Schulmensen. Ein gesundes und leckeres Essen für unsere Kinder ist wichtig für ihre Entwicklung. Hier würde ich mich dafür einsetzen, dass die Qualtität verbessert wird, und dass es mehr Angebote für Koch- und Ernährungskunde in den Nachmittagsstunden gibt.

3. Was brauchen Kinder und Jugendliche in Offenbach in puncto Freizeit?

Jugendliche brauchen Orte, an dem sie sich am Nachmittag und Abend aufhalten können. Diese Orte müssen attraktiv und abwechslungsreich sein. In einem bestimmten Alter beginnt der Ablösungsprozess von der Familie, und die Jugendlichen suchen sich neue Bezugspersonen und Orientierungen. Manche sind auch für schädliche Einflüsse empfänglich. Es ist daher sehr wichtig, dass ihnen Räume und Aktivitäten geboten werden, die ihren Bedürfnissen entsprechen und sie von der Straße holen können. Dazu gehören Sportvereine und kulturelle Bildungsstätten, aber auch attraktive Aufenthaltsorte oder Cafes, in denen keine bestimmte Aktivität vorgegeben wird. Ein solcher Ort ist schon das Kinder-, Jugend- und Kulturzentrum Sandgasse. Aber es sollte noch mehr geben. Als OB würde ich mit allen Einrichtungen kooperieren und mich dafür einsetzen, dass sie stärker gefördert werden.

Damit allen Kindern und Jugendlichen ein Zugang zur Kultur offensteht, halte ich es für sehr wichtig, dass es Stipendien oder Hilfe bei der Finanzierung des Besuchs der Musik- und Kunstschulen, Sportvereinen, Nachhilfe, Volkshochschule und weiteren Aktivitäten gibt.

4. Was ist für Familien in Offenbach sonst noch wichtig und wie wollen Sie sich dafür einsetzen?

  • Das Stadtzentrum sollte kinderfreundlicher, fröhlicher und sauberer werden, mit mehr öffentlichen Toiletten, damit es als Familie wieder Spaß macht, dort hinzugehen.
  • Ganz wichtig ist bezahlbarer Wohnraum, vor allem auch in der Innenstadt.
  • Wichtig ist auch, dass Kinder und Familien kostengünstig den öffentlichen Nahverkehr nutzen können.
  • Die Stadtverwaltung sollte selber als familienfreundlicher Betrieb eine Vorreiterrolle spielen: dass es die Möglichkeit gibt variablel mit Arbeitszeiten umzugehen, dass trotz Kindern Aufstiegsschancen bestehen, und dass Frauen in leitenden Ebenen sind.
  • Man braucht auch eine spezielle Aufmerksamkeit für Alleinerziehende, die das, was ein Elternpaar gemeinsam stemmt, allein schaffen müssen. Ihnen mangelt es ganz besonders an Zeit, Geld und emotionaler Unterstützung.

Lesen Sie mehr zum Thema Familienpolitik auf meiner Webseite:

http://helge-herget.de/Helge-und-Familienpolitik.html